Vorwort von Werner Weber zum Buch 

Friedrich Dürrenmatt – in Konolfingen haben vor 30 – 40 Jahren viele die Nase gerümpft. Er sei ein Nestbeschmutzer gewesen. «Ä Süchu, är heig Chonufinge i Dräck zoge». Das sind meine Erinnerungen an Äusserungen seiner Zeitgenossen. Doch gekannt hatten sie ihn meist gar nicht.

Die Karte(n), die Friedrich Dürrenmatt aus der Erinnerung von der Region Konolfingen gezeichnet hat, sind spannend. Was steckt da-hinter? Seine Äusserungen zu verschiedenen Personen ebenso subjektiv wie die Worte vieler Konolfinger. 

Unser Team hat versucht, die letzten Zeitzeugen und deren Angehörige zu befragen, ih-re Erinnerungen hervorzuholen. Wir wollten herausfinden, wie das Leben damals war. Zeitungsberichte ergänzen und beschreiben das damalige Geschehen. Dabei sind wir auf viele spannende Details gestossen. Ein solches Detail ist der Artikel im Emmentaler Blatt von 1933, in dem bereits von Deutschen Konzentrationslagern berichtet wird, während in den Schweizer Illustrierten aus der Zeit von 1939 – 1945 kein Wort darüber ver-loren wird.

Die Spurensuche in Dürrenmatts Stoffen war spannend. Wie wenig wir eigentlich aus der Vergangenheit unserer näheren Umgebung wissen, wie viel bereits aus dem Gedächtnis der Leute verschwunden ist, das ist uns dabei erst richtig bewusst geworden. Vieles regt zu Spekulationen an. Es ist amüsant zu spekulieren über Figuren in Dürrenmatts Werken. Wir haben im Buch auf Spekulationen verzichtet und nur Ereignisse, Örtlichkeiten und Personen beleuchtet, die auf seinen Plänen verewigt worden sind. So ist Konolfingen nicht «Güllen», wenn auch Personennamen und Plätze von Konolfingen im «Besuch der alten Dame» auftauchen. Wenn es uns gelungen ist, einen Teil der Stoffe aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten, den kleinen Ausschnitt Welt näher zu bringen, von dem Friedrich Dürrenmatt ein Leben lang nicht wirklich losgekommen ist, so freut uns dies ausserordentlich.

Start der Arbeit waren die üblichen Recherchen für eine Ausstellung im Dorfmuseum «Alter Bären» zum Thema «Konolfingen zu der Zeit als die Familie Dürrenmatt in Konolfingen lebte». Glücklicherweise haben wir vor vier Jahren damit begonnen, denn viele Zeitzeugen sind in der Zwischenzeit verstorben. Dank der grossen Arbeit unseres Teams, auch von Leuten die nicht zum «Bären Team» gehören und der Unterstützung von Seiten der Gemeinde und dem Centre Dürrenmatt, sind diese Recherchen umfangreicher ausgefallen, aus dem Ausstellungsführer ist das vorliegende Buch entstanden. Allen, die mit persönlicher Unterstützung, Interviews, Informationen, Dokumenten, Bildern und Gegenständen zum Gelingen dieses Buches und der Sonderausstellung beigetragen haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

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Wir wünschen Ihnen viel Lesespass.


Hören Sie was der Initiator und Co-Leiter des Museums, Werner Weber im Interview mit neo1 sagt.

Die beiden Interviews wurden uns von Radio neo1 freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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