100 Jahre Friedrich Dürrenmatt


Wir freuen uns, Ihnen schon jetzt unsere nächste Sonderausstellung "Konolfingen zur Zeit Dürrenmatts" kurz vorzustellen.

Ab dem 07. März 2021 ist das Museum jeweils jeden 1. und 3. Sonntag pro Monat von 14 - 17 Uhr geöffnet. Gerne organisieren wir für Sie eine Führung ausserhalb der Öffnungszeiten. Kontaktieren Sie uns mittels Formular oder Telefon +41 31 791 00 98


Friedrich Dürrenmatt kam am 05. Januar 1921 († 14.12.1990) in Stalden im Emmental (seit 1933 Gemeinde Konolfingen) zur Welt. Als erstes Kind von Reinhold (1881–1965) und Hulda Dürrenmatt (1886–1975), geborene Zimmermann. Sein Vater war refor-mierter Pfarrer des Dorfes, sein Grossvater Ulrich Dürrenmatt war Politiker und Dichter. 

1924 wurde seine Schwester Verena („Vroni“; † 2018) geboren. Im Oktober 1935 zog die Familie nach Bern um, wo der Vater Pfarrer am Diakonissenhaus wurde.

Die Weltwirtschaftskrise machte sich zu diesem Zeitpunkt auch in der Schweiz bemerkbar. Das mittelständische Bürgertum wurde ärmer. Friedrich Dürrenmatt besuchte zunächst das Freie Gymnasium Bern, später das Humboldtianum, an dem er 1941 die Matura ablegte. Er war kein besonders guter Schüler (Gesamtnote: „knapp ausreichend“) und bezeichnete seine Schulzeit selbst als die „übelste Zeit“ seines Lebens. Die Schule wechselte er, weil ihm die Art des Unterrichts nicht gefiel, weil er schlechte Noten hatte und weil er durch sein Verhalten bei den Lehrern aneckte. Kurzzeitig war Dürrenmatt 1941 Mitglied einer Fröntler-Vereinigung, um sich von seinem Vater abzugrenzen, wie er später einräumte.


Vorwort von Werner Weber zum Buch 

Friedrich Dürrenmatt – in Konolfingen haben vor 30–40 Jahren viele die Nase gerümpft. Er sei ein Nestbe-schmutzer gewesen. «Ä Süchu, är heig Chonufinge i Dräck zoge». Das sind meine Erinnerungen an Äusse-rungen seiner Zeitgenossen. Doch gekannt hatten sie ihn meist gar nicht.

Die Karte(n), die Friedrich Dürrenmatt aus der Erinnerung von der Region Konolfingen gezeichnet hat, sind spannend. Was steckt dahinter? Seine Äusserungen zu verschiedenen Personen ebenso subjektiv wie die Worte vieler Konolfinger. 

Unser Team hat versucht, die letzten Zeitzeugen und deren Angehörige zu befragen, ihre Erinnerungen her-vorzuholen. Wir wollten herausfinden, wie das Leben damals war. Zeitungsberichte ergänzen und beschrei-ben das damalige Geschehen. Dabei sind wir auf viele spannende Details gestossen. Ein solches Detail ist der Artikel im Emmentaler Blatt von 1933, in dem bereits von Deutschen Konzentrationslagern berichtet wird, während in den Schweizer Illustrierten aus der Zeit von 1939–1945 kein Wort darüber verloren wird.

Die Spurensuche in Dürrenmatts Stoffen war spannend. Wie wenig wir eigentlich aus der Vergangenheit unserer näheren Umgebung wissen, wie viel bereits aus dem Gedächtnis der Leute verschwunden ist, das ist uns dabei erst richtig bewusst geworden. Vieles regt zu Spekulationen an. Es ist amüsant zu spekulieren über Figuren in Dürrenmatts Werken. Wir haben im Buch auf Spekulationen verzichtet und nur Ereignisse, Örtlichkeiten und Personen beleuchtet, die auf seinen Plänen verewigt worden sind. So ist Konolfingen nicht «Güllen», wenn auch Personennamen und Plätze von Konolfingen im «Besuch der alten Dame» auftauchen. Wenn es uns gelungen ist, einen Teil der Stoffe aus einem anderen Blickwinkel zu be-leuchten, den kleine Ausschnitt Welt näher zu bringen, von dem Friedrich Dürrenmatt ein Leben lang nicht wirklich losgekommen ist, so freut uns dies ausserordentlich.

Start der Arbeit waren die üblichen Recherchen für eine Ausstellung im Dorfmuseum «Alter Bären» zum Thema «Konolfingen zu der Zeit als die Familie Dürrenmatt in Konolfingen lebte». Glücklicherweise haben wir vor vier Jahren damit begonnen, denn viele Zeitzeugen sind in der Zwischen-zeit verstorben. Dank der grossen Arbeit unseres

Teams, auch von Leuten die nicht zum «Bären Team» gehören und der Unterstützung von Seiten der Gemeinde und dem Centre Dürrenmatt, sind diese Recherchen

umfangreicher ausgefallen und aus dem Ausstellungsführer ist das vorliegende Buch entstanden. Allen, die mit persönlicher Unterstützung, Inter-views, Informationen, Dokumenten, Bildern und Gegenständen zum Gelingen dieses Buches und der Sonderausstellung beigetragen haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Das Buch erscheint gegen Ende 2020, auf dieser Webseite orientieren wir weiter wenn das Buch zum Kauf zur Verfügung steht.